Menu
Abfall / Abfallvermeidung

Reparieren statt wegwerfen: Was das Mönchengladbacher Repair Café leistet

Nähmaschinen, Fahrräder, Lampen, Computer, Rasenmäher: Alles, was defekt ist und bequem von einer Person getragen werden kann, ist ein Kandidat für das Repair Café an der Friedhofstraße in Rheydt. „Wir freuen uns immer, wenn wir es schaffen, Apparate und Geräte wieder ans Laufen zu kriegen“ sagt Hardy Vilz. Er ist einer von 18 Ehrenamtlern, die das reparieren, was ihnen Mönchengladbacher Bürger immer am ersten Sonntag eines jeden Monats bringen. Den Wert von Dingen wieder schätzen lernen: Wer das vielleicht ein klein wenig vergessen hat, kann das bei einem Besuch im Repair Café für sich neu entdecken.

Daneben bietet das Repair Café auch Näharbeiten an; vom Reißverschluss ersetzen bis zum Kürzen von Hosen ist vieles dabei, was geschickte und emsige Hände für diejenigen erledigen, die selbst nicht handarbeiten wollen oder können.

Näharbeiten sind im Repair Café Mönchengladbach gefragt. Foto: Pixabay

Die Serviceleistungen des Repair Cafés sind kostenlos, man freut sich aber über auch kleinere Spenden. Von den Geldern werden Werkzeug und Verpflegung finanziert: Ein Frühstück für die Ehrenamtler vor ihrem Einsatz, Kaffee und Kuchen für die Besucher des Repair Cafés, die auf die Reparatur ihrer Geräte warten.

Erfolgsquote von 75 Prozent

„Wir haben bei unseren Reparaturen eine Erfolgsquote von 75 Prozent; das bedeutet, dass wir dreiviertel der zu uns gebrachten Dinge wieder flott machen können“, sagt Josef Hermes. Der pensionierte Elektrotechniker ist ebenfalls ehrenamtlich am Werktisch des Repair Cafés tätig.

Ob Andenken oder liebgewonnenes Einzelstück: Oftmals hängen die Leute an den Gegenständen, die sie zur Reparatur im Repair Café bringen. „Das motiviert uns und macht uns richtig Lust, Fehler zu lösen“, erklärt Gangolf Gerighausen. Der Mitstreiter von Hardy Vilz und Josef Hermes war vor seiner Pensionierung als Industriekaufmann tätig und hat nach eigener Aussage schon als Kind gerne an Computern herumgeschraubt.

Foto: Repair Café Mönchengladbach

Warum bootet der Computer nicht mehr? Kann es sein, dass bei der streikenden Kaffeemaschine nur der Kondensator kaputt ist? Kann dieser platte Fahrradreifen noch geflickt werden? Es sind Fragen wie diese, die die Männer umtreiben und ihren Ehrgeiz wecken. Da kann dann die Reparatur eines einzelnen Computers auch schon mal zwei Stunden dauern.

„Manchmal nehmen wir Geräte mit nachhause und basteln dort an ihnen weiter. Die Leute bekommen sie dann im Folgemonat zurück.“

Josef Hermes, pensionierter Elektrotechniker und Ehrenamtler im Repair Café

Nachhaltigkeit? Fehlanzeige

Foto: Repair Café Mönchengladbach

Raten die Ehrenamtler einem Besucher des Repair Cafés dazu, ein Bauteil seines defekten Gerätes zu ersetzen, besorgt sich dieser das Teil bei einem Händler. In vielen Fällen kennen die Ehrenamtler passende Händleradressen. Im Repair Café kann das Ersatzteil dann eingebaut werden.

Insgesamt stellen die Ehrenamtler fest, dass viel zu früh viel zu viel entsorgt wird – Nachhaltigkeit? Fehlanzeige. „Dabei sind die meisten älteren Geräte qualitativ hochwertiger als manche modernen Apparate, die auf schnelles Kaputtgehen produziert werden“, weiß Hardy Vilz: „Die Dinge sind auch oft absichtlich so verschachtelt gebaut, dass sie kaum noch zu reparieren sind“, ergänzt der pensionierte Architekt und Computertechniker. Ältere Apparate zu reparieren lohne sich für die Hersteller nicht, denn die müssten immer schneller neue Produkte auf den Markt bringen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

CO2-Emissionen und Elektro-Altgeräte

Dabei kann die Grundstoff- und Energiemenge, die für die Herstellung neuer Produkte und auch das Recycling von Elektroschrott erforderlich ist, durch die Reparatur von Altgeräten eingespart werden. Das gilt auch für die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung neuer Produkte freigesetzt werden.

„Lediglich zehn Prozent oder umgerechnet fünf bis zehn der Elektrogeräte, die wir an einem Sonntag hereingebracht bekommen, stufen wir als Elektroschrott ein. Den müssen die Leute dann selbst entsorgen“, erklärt Josef Hermes.

Wegwerfmentalität überdenken

Auf den beiden modernen GEM-Wertstoffhöfen Heidgesberg und Luisental können Mönchengladbacher ihre Elektroaltgeräte kostenfrei entsorgen. Diese Wertstoffe werden von den Wertstoffhöfen zu Recyling-Unternehmen gebracht, die sich um deren Weiterverarbeitung kümmern – Elektroaltgeräte können wertvolle Rohstoffe enthalten, die wiederverwertet werden. Die GEM bietet nach vorheriger Anmeldung auch an, Elektroaltgeräte neben der Sperrmüllabholung abzutransportieren.

GEM-Mitarbeiter Alfred Reuen wundert sich, dass bei ihm am Wertstoffhof
häufig voll funktionsfähige Ware abgegeben wird.

Alfred Reuen ist seit 14 Jahren bei der GEM beschäftigt. Bei unserem Besuch nimmt er einer Kundin auf dem Wertstoffhof Heidgesberg einen MP3-Player und ein Tablet ab; beide Teile möchte die Kundin ausrangieren. Den Geräten, die Reuen in der Hand hält, sieht man an, dass sie ihre besten Zeiten längst hinter sich haben. „Es kommt aber auch vor, dass noch voll funktionsfähige Ware abgegeben wird; etwa, wenn ein neues Modell des Gerätetyps auf dem Markt erschienen ist. Einige Menschen sind mit dem Wegwerfen schon schnell dabei“, sagt Alfred Reuen.

Übrigens: Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) wurden im Jahr 2018 in Deutschland 853.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt. Dies entspricht einer Sammelquote von 43,1 Prozent. Damit hat Deutschland das EU-Sammelziel von 45 Prozent nicht einhalten können.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Ehrenamtler des Repair Cafés geben ihren Besuchern auch gerne Tipps mit auf den Weg, wie sie ihre Dinge zukünftig selbst wieder Instand setzen können. „Wer das richtige Händchen hat und gerne tüftelt, der kann sich nach einigen Anleitungen von uns auch schon mal selbst helfen“ weiß Hardy Vilz.

Mehr als 2000 Repair Cafés weltweit

Das ist auch die Idee, die hinter den Repair Cafés steht. Als die Niederländerin Martine Postma 2009 das erste Repair Café in Amsterdam eröffnete, ahnte sie nicht, dass es nur zehn Jahre später bereits 2088 Repair Cafés weltweit geben sollte, darunter knapp 500 alleine in Deutschland. Martine Postma gründete 2010 die Stiftung „Stichting Repair Café“.

Die Non-Profit-Organisation bietet weltweit lokalen Gruppen, die selbst ein eigenes Repair Café eröffnen wollen, professionelle Unterstützung an. „Stichting Repair Café“ will das Reparieren auf moderne Art wieder in die lokale Gemeinschaft zurückbringen. Ziel der Organisation ist es, vorhandene Reparaturkenntnisse zu erhalten, zu verbreiten und den sozialen Zusammenhalt einer Nachbarschaft oder eines Viertels zu fördern.

Sechs Jahre Repair Café in Mönchengladbach

Seit sechs Jahren gibt es das Mönchengladbacher Repair Café im Mehrgenerationenhaus des Paritätischen Zentrums. 40 Besucher kamen in den ersten Jahren, heute sind es 60 bis 80 Bürger – jeweils pro Sonntag.

„Im Laufe der Zeit hat sich unser Angebot mehr und mehr auch zu einem nachbarschaftlichen Treffpunkt entwickelt“, sagt Dorothea Postel-Plum, die das Mehrgenerationenhaus gemeinsam mit Nicole Peters leitet. Insbesondere ältere Bürger würden es genießen, mit anderen bei Kaffee und Kuchen einfach nur ein wenig zu klönen.

Der Gemeinschaftsaspekt des Repair Cafés spielt ebenfalls eine große Rolle im Mehrgenerationenhaus.
Foto: Repair Café Mönchengladbach

„Andere kommen mit ihren nicht mehr funktionierenden Geräten, weil sie wenig Mittel haben und sich die Anschaffung eines neuen Apparates nicht leisten können“, weiß Postel-Plum. Und dann sind da auch noch die Wiederholungstäter: Menschen, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, sonntags im Repair Café vorbeizuschauen. „Der Gemeinschaftsaspekt ist nicht zu unterschätzen“, sagt Nicole Peters: „Das gilt für unserer Besucher genauso wie für unsere Ehrenamtler. Die Sonntage bei uns haben etwas Familiäres.“

Das Mehrgenerationenhaus im Paritätischen Zentrum MG

2008 wurde das Mehrgenerationenhaus im Paritätischen Zentrum in Mönchengladbach-Rheydt eröffnet. Es dient nach Angaben der Betreiber als Begegnungszentrum und Treffpunkt der Generationen und Kulturen für Menschen mit und ohne Behinderung in der Stadt.

Mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern wird eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten angeboten, darunter der „Offene Frühstückstreff“, bei dem man miteinander ins Gespräch kommt und Kontakte knüpft. Eine Kleiderstufe, ein „Foodsharing-Fair-Teiler“, ein Büchertauschregal und eben das Repair Café runden das Angebot ab. Das Rheydter Mehrgenerationenhaus ist an die Kampagne „Fair Trade Town Mönchengladbach“ angeschlossen und bietet im Rahmen seiner Veranstaltungen Produkte aus fairem Handel an.

Grosser Andrang im Repair-Café. Foto: rimapress

Mehrgenerationenhäuser verstehen sich als die moderne Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen, die durch den demografischen Wandel hervorgerufen werden. Als Kommunikations-, Begegnungs-, Informations- und Dienstleistungszentren bieten sie Raum für Generationenbegegnung und Dialog, gesellschaftliche Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement.

Info
Repair Café im MehrGenerationenHaus
Friedhofstraße 39
41236 Mönchengladbach
Tel. 02166 923926
Mail: mehrgenerationenhaus@pariteam-mg.de
www.mehrgenerationenhaus-mg.de
www.repaircafe.org

Öffnungszeiten

Ab dem 6. September 2020 immer am ersten Sonntag eines Monats von 12 bis 16 Uhr. Reparaturannahmen bis 15 Uhr. Das Repair Café befindet sich im Erdgeschoss des Mehrgenerationenhauses. Die Besucher müssen sich für die Termine zuvor anmelden.

Keine Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar