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Grün / Parks

Bunter Garten & Botanischer Garten – ein starkes Stück Heimat

2.200 Arten und Sorten Laub- und Nadelgehölze, 1.800 unterschiedliche Rhododendron, Azaleen und Stauden, Kunstobjekte, Tiere und viel mehr: Für viele Mönchengladbacher ist der Bunte Garten in all seiner Schönheit und Vielfältigkeit ein ganz starkes Stück Heimat. Die Parkanlage hat es sogar geschafft, in die „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ aufgenommen zu werden. „Straße der Gartenkunst“ ist ein grenzüberschreitender Verein in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden mit Sitz auf Schloss Dyck in Jüchen. Die Initiative hat insgesamt 57 Parks und Gärten zwischen Rhein und Maas ausgewählt, die sie als besonders schön, hochwertig und historisch bedeutsam ansieht.

Auf einer Fläche von mehr als 20 Hektar und einer Gesamtlänge von drei Kilometern erstreckt sich der Bunte Garten, von jüngeren Generationen auch gerne „BuGa“ genannt, zwischen Lettow-Vorbeck-Straße, Bettrather Straße und Peter-Nonnenmühlen-Allee. Südlich grenzt der Bunte Garten an die Hohenzollernstraße, im Norden an den Städtischen Hauptfriedhof. Bäume und Sträucher, Stauden und Rabatten sorgen dafür, dass der Bunte Garten zu allen Jahreszeiten von allen Altersgruppen regelmäßig besucht wird – als Naherholungsgebiet der Extraklasse in der Innenstadt. Und wer direkt am Bunten Garten wohnt, der genießt Mönchengladbachs exklusivste Wohnlage.

„GEMEINSAM“

Der „GEMEINSAM“-Schriftzug wurde am 9. April 2020 mit 1.000 Hornveilchen erstmalig von der mags-Grünunterhaltung vor der Kaiser-Friedrich-Halle angelegt. Foto: Tim Giebels

Die stadtweit wohl berühmteste Rabatte erwartet den Besucher an der Südgrenze des Bunten Gartens zur Hohenzollernstraße hin: „GEMEINSAM“ steht dort; die Buchstaben bestehen aus weißem Sommerjasmin, und „geschrieben“ hat sie mags. „GEMEINSAM“ soll Mut machen und für den Zusammenhalt der Menschen in Corona-bedingten Krisenzeiten sorgen. Die Erstbepflanzung mit 1.000 Hornveilchen hatten wir am 9. April 2020 angelegt. Am selben Abend posteten wir Fotos des Schriftzugs auf unserer mags-Facebook-Seite. Innerhalb von ein paar Stunden wurde der Beitrag 272 Mal geteilt und 318 Mal geliket.

Geht man den Weg links der „GEMEINSAM“-Rabatte hoch und in den Bunten Garten hinein, trifft man auf die Kaiser-Friedrich-Halle. 1903 gebaut und in den vergangenen Jahren in Teilen saniert, wird die städtische Konzert- und Veranstaltungshalle von Mönchengladbachern auch kurz als KFH oder liebevoll als „gute Stube der Stadt“ bezeichnet. 1905 gesellte sich zur Kaiser-Friedrich-Halle eine Konzertmuschel für Open-Air-Musik.

Tipp: Ganz in der Nähe der Konzertmuschel steht an der Beethovenstraße ein winziges Haus. Es wurde zwischen 1937 und 1938 erbaut und diente als Toilettenhäuschen. Heute beherbergt es das Atelier „Kunstbedürfnis“.

Geradeaus Richtung Norden und vorbei an der Lichtstele des weltbekannten Mönchengladbacher Bildhauers Heinz Mack, erwartet Spaziergänger, Radfahrer und Läufer einen von alten Buchen, riesigen Eichen, Schnee-Bergkirschen und immergrünen Pflanzungen dominierten Bereich mit Waldcharakter. Dieser Teil des Bunten Gartens ist der Kaiserpark. Er wurde als ältester Abschnitt des Bunten Gartens 1890 gestaltet.

Vom Friedhof zum Park

Der mehr als drei Hektar große Kaiserpark grenzte anfangs an den katholischen und evangelischen Friedhof. Der Friedhof wurde 1900 geschlossen und seine Mauern zum Kaiserpark hin geöffnet. Mitte der 1920er Jahre entschloss sich die Stadt dazu, den alten Friedhof mit Bäumen und Sträuchern aufzuwerten. Der Grundstein für den Botanischen Garten war gelegt. In den 1950er Jahren kaufte die Stadt den katholischen Friedhofteil, so dass man den Botanische Garten vergrößern konnte. Bis heute finden sich in diesem Teil alte Grabdenkmäler, einzeln zerstreut in Beeten und unter Mähnenfichten, Korkenzieher-Robinien und seltenen Buchenarten.

Das Ehrenmal von Luise Gueury. Seit 2005 ist es ein eingetragenes Denkmal.

Die bedeutendste Grabanlage ist das Ehrenmal von Louise Gueury (1854-1900). Die wohlhabende Mönchengladbacherin vermachte den größten Teil ihres Erbes der Stadt, mit der Auflage, von diesem Geld eine Heilstätte für Lungenkranke zu errichten. Auch mittellose Kranke sollten dort behandelt werden. Die Stadt folgte Gueurys Wunsch und eröffnete vier Jahre nach deren Tod eine Lungenheilstätte im Hardter Wald. Das Ehrenmal ist seit 2005 eingetragenes Denkmal. Die Grabdenkmäler machen den historischen Charakter des Bunten Gartens deutlich.

Botanischer Garten

Der Botanische Garten war ursprünglich ein kleines Gärtchen. Heute ist dieser Teil des Bunten Gartens mehr als vier Hektar groß. Nicht nur bei Kindern sehr beliebt ist die 600 Quadratmeter große Vogelvoliere: Hier sind unterschiedliche Arten von Sittichen, Papageien, Zwerghühnern und Enten zuhause. Die Ausbildungskolonne der mags-Grünunterhaltung hat 2019 die Teiche und die Plattierungen der Unterstände neu angelegt und die Sandböden der Voliere vollständig ausgetauscht.

Nahe der Voliere fällt der Ilexgarten mit einigen seltenen Ilex-Arten auf. Zwei Teiche und das Alpinum sind weitere Hingucker. Im Alpinum sind Stauden und Gehölze aus alpinen Bereichen der Welt zu finden, darunter solch seltene Arten wie Goldprimel, Alpenedelweiß, Felsen-Moltkie und Alpenheilglöckchen. Die Erdkugel aus Gusseisen von Sandra Robertz wurde 2002 im Rahmen der damaligen EurogaPlus aufgestellt. Das Objekt stellt die Weltkugel dar, die fünf gleich großen Bögen stehen für die fünf Kontinente. Ein weiteres für die EurogaPlus 2002 installiertes Kunstobjekt ist der Sitz aus Basalt-Lava von Wolfgang Hahn.

Ein Garten voller Drogen

Im Apotheker-Garten wachsen viele Heilpflanzen, die etwa für die Behandlung von Herz, Kreislauf und Atemwege zum Einsatz kommen.

Zu den weiteren Besonderheiten des Botanischen Gartens gehören der Apothekergarten, der Kräutergarten, der Teegarten und der Färbepflanzengarten. Im Apothekergarten gibt es Drogen – Pflanzen zur Behandlung des Herzens und des Kreislaufs, der Atemwege, des Magen- und Darmbereichs, um nur einige zu nennen. Ordentlich beschildert, ist der Apothekergarten ebenso informativ wie der Kräutergarten, der nicht nur Salbei und Lavendel, sondern auch Mädesüß, Engelwurz, Wiesenfrauenmantel oder Fingerkraut beheimatet.

Nach dem Lernen kommt das Spiel: Der neue Kinderspielplatz unweit von Voliere und Apothekergarten wurde mit großer Unterstützung des Fördervereins „Netzwerk Bunter Garten e.V. “ gestaltet. Spielgeräte wie eine Nestschaukel, die Mikado-Rutsche und eine Krake ziehen die Kids an. Auch ein kleines Trampolin und eine Tischtennisplatte gibt es, und neben dem Spielplatz wartet ein großer Ballspielplatz auf junge Kicker und Basketballer.

Im Mai 2008 wurde auf Initiative von Ulrike Menzel, damals Leiterin des Bunten Gartens, der Förderverein „Netzwerk Bunter Garten e.V.“ gegründet. Ziel ist es, den Bunten Garten durch Veranstaltungen, Führungen und ein Konzept zur Natur- und Umweltbildung noch stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Auch hat sich der Verein der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Das Motto des Fördervereins lautet: „Den Botanischen und Bunten Garten mit allen Sinnen erleben“.

Früher Rosengarten, heute Spielwiese für alle

Diese Mühlensteine verrichteten einst an der Gerkerather Mühle ihren Dienst. Jetzt zieren sie den Hauptweg im Bunten Garten.

Zurück im Bunten Garten, geht es auf dem Hauptweg vorbei an den Mühlensteinen der Gerkerather Mühle weiter nördlich. In den 1960er Jahre wurde der Mühlbetrieb an der Gerkerather Mühle eingestellt, und die Mühlsteine wurden zu Dekorationszwecken in den Bunten Garten gebracht.  Die beiden Bären aus Eifeler Sandstein hat Christof Baumann geschaffen. Sie erfreuen seit 2011 die Besucher.

Der Teil des Bunten Gartens, dem man sich nun nähert, wurde 1903 als Rosengarten angelegt. Die 3,5 Hektar große Fläche wurde 1928 zur Deutschen Rosenschau umgestaltet. Zehn Jahre später wichen die aufwändig zu unterhaltenden Rosenflächen der heutigen Spielwiese, der Pergola und dem Blumenparterre. An der Lettow-Vorbeck-Straße wartet die große Spielwiese darauf, von allen genutzt zu werden: Für Kinder ist die Wiese zum Toben da, für Jongleure zum Üben, für Jugendliche zum Klönen und für Yoga-Fans zum Entspannen und Meditieren.

Die Spielwiese hat mags mit tausenden Narzissen und Tulpen bepflanzt. Im Frühjahr strahlen ihre Gelb- und Rottöne mit den weißen und roséfarbenen Blüten der vielen Kirschbäume um die Wette. Zwischen Spielwiese und Pergola steht der Sonnensucher, eine Bronzeskulptur von Anna-Maria Rommerskirchen (1909-1985). Als er 1950 aufgestellt wurde, galt die Skulptur des unbekleideten Jungen vielen Besuchern als zu freizügig.

Durch die Pergola zum Blumenparterre

Wer durch die Pergola hindurch geht, den erwartet das größte Blumenbeet Mönchengladbachs: das Blumenparterre.

Die Pergola, an der sich wunderschöner Blauregen entlang rankt, ist so etwas wie das Tor zu einem Teil des Bunten Gartens, der von einem beeindruckenden Blumenbeet dominiert wird: das Blumenparterre. Es wird von mags traditionell im Mai neu bepflanzt. 20.000 Stauden wie Indisches Blumenrohr, Nelken, Dahlien, Eisenkraut und Begonien kündigen dann den Sommer an. Die Stauden ersetzen die Stiefmütterchen, die mags mit etwa 15 Mitarbeitern ihrer Abteilung Grünunterhaltung immer zuvor pflanzt. Das etwa 1.000 Quadratmeter große Blumenbeet gilt als eine der Hauptattraktionen in der Stadt – und das seit über 75 Jahren.

Sowohl im Frühjahr als auch im Sommer wird das etwa 1.000 Quadratmeter große Blumenbeet von der mags-Grünunterhaltung jährlich neu bepflanzt. Dabei variieren stets die Muster: Dieses Muster zeigt die Sommerbepflanzung 2020. Foto: Tim Giebels

Jeder Mönchengladbacher kennt sie: die Sonnenuhr aus Schmiedeeisen und Messing am Blumenparterre. Aufgestellt wurde sie in den 1960er Jahren. Noch heute ist sie auch bei Kindern sehr gefragt: Man kann nämlich herrlich auf ihr herumklettern. Die klaren, geometrischen Linien und Kurven passen zu diesem Abschnitt des Bunten Gartens mit seinen strengen Formen.

Am Pilz vorbei in die Landschaft

Ein Pilz als Symbol des Parks: Seit 1938 steht der Pilz an seinem Platz am Schürenweg. Bis vor einigen Jahren trug er ein Strohdach. Nachdem es mehrfach Feuer gefangen hatte, wurde das Stroh- gegen ein Metalldach ausgetauscht.

An der Unterführung des Schürenwegs warten Frösche, Eichhörnchen und ein Kauz auf den Spaziergänger: Michaela Hillenbrand, Marco Houben und Marcel Roemer aus dem Atelier Strichstärke, der Einrichtung der gemeinnützigen Stiftung Hephata, verschönerten 2018 gemeinsam mit den Profisprayern Steffen Mumm und Philipp Kömen die Betonunterführung mit Graffiti. 

Der Schäfer wacht über die Ausläufer des Bunten Gartens hin zum Hauptfriedhof.

Gleich hinter der Unterführung lösen sich die strengen Formen des Blumenparterre-Teils auf hin zum landschaftlich gestalteten Teil des Bunten Gartens. Über Rasenflächen, Bäume, Hortensien und Rhododendron wacht die steinerne Skulptur des Schäfers. Geht man an ihm vorbei und folgt dem Weg in die linke Richtung, kann man über einen direkten Zugang den Städtischen Hauptfriedhof besuchen. Dort beeindruckt nicht nur die gewachsene Mammutbaum-Allee, sondern auch tausende weitere, teils gigantische Bäume und regelrechte Rhododendron-Wälder.

Aber das ist eine andere Geschichte.

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