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Abfall / Abfallvermeidung

Wie aus Grünabfällen Kompost wird

Blätter, Äste, Zweige: Organisches Material, das im Grünen auf natürliche Weise zu Boden fällt, wird von Mutter Natur im Laufe von zwei bis drei Jahren abgebaut. Diesen Vorgang bezeichnet man als Kompostierung. In von Menschen geschaffenen Kompostierungsanlagen gelingt dieser Prozess deutlich schneller. In der von uns genutzten offenen Anlage in Mönchengladbach-Wanlo benötigen wir nur zwölf Wochen, bis aus privaten Gartenabfällen und städtischem Grünschnitt nur durch Zugabe von Luft und Wasser neuer Kompost geworden ist, der auf vielfältige Weise genutzt werden kann.

Eine der wenigen noch offenen Kompostierungsanlagen in Deutschland

Wanlo ist der südlichste Teil der Stadt, unmittelbar am Rande des Tagebaus Garzweiler gelegen. Hier betreibt das Unternehmen RETERRA Service GmbH eine Anlage, in der komplett offen kompostiert wird. Der Vorteil der offenen Kompostierung: Mit dem geringsten Aufwand entstehen auf ganz natürliche Weise neue, hochwertige Produkte wie Komposte, Substrate, Bodenbeläge und Holzbrennstoffe.

Diese Komposthaufen nennt der Profi Mieten. Je dunkler eine Miete, desto älter und weiter ist der Kompost.

Die einst von der GEM 1999 errichtete Anlage gilt als Modellvorlage für Kompostierexperten aus Nicaragua, Brasilien, Weißrussland, China und Iran – sie alle besuchten im Vorfeld ihrer Planungen eigener Anlagen zunächst Wanlo, um sich gründlich zu informieren und diese Erfahrungen dann in ihren Ländern umzusetzen.

Unser jüngstes Patenkind ist eine neu errichtete Anlage in Rio de Janeiro.“

Wolfgang Buthe, Betriebsleiter RETERRA

Effizienter kann man wohl nicht arbeiten: Mit lediglich vier Mitarbeitern werden auf der 25.000 Quadratmeter großen Wanloer Kompostierungsanlage bis zu 52 Mieten aufgesetzt. Das entspricht 25.000 Tonnen ursprünglicher Grünabfall. Übrigens: Als Miete bezeichnet der Profi das, was der Laie einfach einen dampfenden Haufen nennen würde.

Professionell Häufchen machen

Wenn die GEM die privaten Gartenabfälle der Mönchengladbacher und städtischen Grünschnitt zur Kompostierungsanlage nach Wanlo bringt, wird die Ladung erstmal gesichtet. Danach geht es für die Lkw erst einmal auf die Waage. Nach dem Abladen werden die Gartenabfälle gehäckselt und landen dann auf der Rottefläche. Das ist die Fläche, auf der die Kompostierung stattfindet. In fünf Streifen angeordnet, entstehen bis zu 2,80 Meter hohe Haufen – ihr erinnert euch, die Mieten. Höher sollten Mieten nicht sein, um Überhitzung zu vermeiden: Mieten sind nämlich in ihrem Inneren ganz schön heiß. Bis zu 70 Grad Celsius kann es da schon einmal werden. „Schuld“ daran sind Mikroorganismen, die angetrieben von Sauerstoff bei ihrer Zersetzungsarbeit so richtig Gas geben.

Hier lädt die GEM auf der Kompostierungsanlage Wanlo Gartenabfälle aus Mönchengladbach ab.

Im Idealfall besitzt eine neu angelegte Miete über einen Zeitraum von zwei Wochen in ihrem Inneren mindestens 55 Grad Celsius. Damit gilt sie als hygienisiert (frei von keimfäigen Samen). Regelmäßig messen daher Herr Buthe und sein Team die Kerntemperatur der Mieten mit einem Lanzenthermometer.

Mikroorganismen lieben und brauchen Luft und Wasser.“

Wolfgang Buthe, Betriebsleiter RETERRA

Das Häckseln der Grünabfälle gleich nach ihrem Abladen hat dafür gesorgt, dass die Mieten bereits grob strukturiert und damit gut durchlüftet sind. Luft mögen und brauchen die Mikroorganismen, um ihre Arbeit zu verrichten. Daneben ist Feuchtigkeit wichtig für die Mikroorganismen.

Mieten werden mit Regenwasser befeuchtet

Natürlich benötigen die Mieten im Sommer mehr Bewässerung als im Winter. Die Kompostierungsanlage fängt das Regenwasser auf der gesamten Fläche über ein Kanalsystem auf. Ein unterirdisches sieben Meter tiefes Brauchwasserbecken mit einem Durchmesser von 18 Metern wird zur Bewässerung der Mieten genutzt. So geht kein Tropfen Regenwasser verloren, und für den Kompostierungsprozess wird so gut wie kein Grund- noch Trinkwasser benötigt.

Zurück zu unserem mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Haufen: Die von der GEM gelieferten Grünabfälle haben nun drei Wochen lang mit ihren über 55 Grad Celsius im Bauch vor sich hin gedampft. Sie sind eindeutig schon etwas dunkler geworden. Zeit für Bewegung….

Haufen umsetzen bringt neue Nahrung

Jetzt ist der Zeitpunkt zum ersten Umsetzen der Miete gekommen. Nach dem Umsetzen können die Mikroorganismen wieder ganz viel neuen Sauerstoff tanken und so auf ihrem neuen Haufen wieder Vollgas geben. Bis er fertig ist, wird der Kompost noch zweimal umgesetzt. Nach dreimal Umsetzen und insgesamt zwölf Wochen ist aus der jungen Miete schöner, dunkler Kompost geworden.

Je dunkler der Haufen, desto älter ist er.“

Wolfgang Buthe, Betriebsleiter RETERRA

Gütesiegel für Qualitätskompost

Regelmäßig werden die Haufen von externen Prüfern auf Herz und Nieren untersucht. Nur wenn bestimmte Richtlinien erfüllt sind, erhält der fertige Kompost das deutsche RAL-Siegel. So müssen Salzgehalt, pH-Wert, Stickstoff, eine Temperatur von 55 Grad Celsius über einen Zeitraum von zwei Wochen genau stimmen und der Kompost nahezu störstoffrei sein. Das RAL-Gütesiegel ist vergleichbar mit DIN-Normen und bestätigt die hohe Qualität des fertigen Komposts.

Wie aus Garenabfällen Kompost wird – Ein Besuch der Kompostierungsanlage Wanlo

Störstoffe – Was nicht kompostiert werden kann

Die fleißigen Mikroorganismen leisten Beachtliches, aber eben nur bei organischen Abfällen. Dazu zählen weder Blumentöpfe aus Plastik noch Spielbälle, noch Besteck. Auch Christbaumschmuck oder Müllbeutel gehören NICHT zum Bio-Abfall. Das sind nur ein paar Beispiele von Dingen und Materialien, die nicht kompostiert werden.

Staubsauger, Magnete, Fallgruben

Nach 12 Wochen werden die Mieten auf der Kompostierungsanlage in Wanlo abgesiebt. Radladerschaufel für Radladerschaufel durchlaufen die Haufen eine Siebanlage mit Förderbändern und unterschiedlichen Stationen. In der ersten Station saugen große Staubsauger-Rohre Folien ab. Sie erwischen allerdings nur Teile, die an der Oberfläche sind. Metallteile werden in der zweiten Station mit Hilfe eines Magneten aussortiert. In der letzten Station macht das Förderband eine Fahrt bergauf, sodass schwere Teile nach unten in einen Auffangbehälter fallen. Das können zum Beispiel Steine und Hartkunststoffe sein. Sie bestehen aus Mineralien und haben deshalb auch nichts im Kompost zu suchen.

Der böse Müllbeutel in allen Facetten

Der Bio-Müllbeutel ist zwar zu 100% abbaubar, aber für Kompostierungsanlagen dauert dieser Prozess zu lange. Darum ist er ebenfalls ein Störfaktor im Biomüll. Mönchengladbacher werden gebeten auf den Bio-Müllbeutel zu verzichten.

Zum häufigsten Störfaktor bei der Kompostierung zählt der Müllbeutel. Ein Klassiker sind zum Beispiel Kartoffelschalen, die zugeknotet in einem Plastikbeutel im Bio-Abfall landen. Auch die in Supermärkten als biologisch abbaubar deklarierten Müllbeutel sind ein Problem. Und das aus gleich zwei Gründen: Zum einen kann Mensch und Technik nicht zwischen einem normalen und einem recycelbaren Beutel unterscheiden. Zum anderen benötigt der Bio-Müllbeutel deutlich länger als zwölf Wochen, bis er abgebaut ist. Die Zersetzung kann bis zu einem Jahr dauern.   Küchenabfälle können daher besser mit Papierprodukten umwickelt werden. Eine alte Zeitung oder ein Stück Küchenrolle sind Alternativen, denn Papier kann problemlos kompostiert werden.

Störstoffe im Biomüll – Was gehört nicht in die braune Tonne?

Die Kompostverwendung: Kreislaufwirtschaft ‚at its best‘ 

Was einst als Abfall aus dem Garten oder Park weggeschmissen wurde, ist nach zwölf Wochen zu Kompost geworden – abgesiebt in drei qualitativ unterschiedlichen Körnungen. Die feine Körnung wird im Garten- und Landschaftsbau verwendet, die weniger feine mit höherem Holzanteil kann als Brennstoff oder Biofilter genutzt werden.

Diese verschiedenen Kompost-Endprodukte entstehen aus Gartenabfällen.

Der Kompost aus Wanlo wird unter anderem auch für die Rekultivierung von Garzweiler eingesetzt. Sogar ganz grober Kompost, der nach etwa fünf Wochen beim Siebvorgang übrig bleibt, wird weiterverwertet. So nutzt ihn auch ein großer Tomatenhersteller vom Niederrhein als Brennstoff zur Energiegewinnung und kann damit etwa seine Treibhäuser beheizen.

Wir haben auch einen speziellen Kompost für Pferde, den wir Pferdeboxeneinstreu nennen.“

Wolfgang Buthe, Betriebsleiter RETERRA

In der Kompostierungsanlage in Wanlo werden auch Pferdebesitzer fündig. Denn dort wird ein grober Kompost hergestellt, der als Einstreu für Pferdeboxen verkauft wird. Im Gegensatz zu Stroh eignet sich dieser Kompost für Pferde mit einer Stauballergie. Zudem entzieht der Kompost durch die darin lebenden Mikroorganismen Ammoniak, das in Pferdeboxen für die Geruchsentwicklung von Urin verantwortlich ist. Und noch ein Vorteil des Komposts: Das enthaltene Zink ist gut für den Pferdehuf.

Sonderfall Weihnachtsbaum

Alle Jahre wieder sammelt die GEM die ausgedienten Weihnachtsbäume in Mönchengladbach ein und bringt sie zur Kompostierungsanlage nach Wanlo. Die meist bei der Abholung schon ziemlich trockenen Mönchengladbacher Tannen bringen jährlich im Schnitt immerhin noch 150 Tonnen auf die Waage. Sie werden gehäckselt und kommen auf einen separaten Haufen, weil Nadelhölzer wegen ihrer ätherischen Öle viel langsamer verrotten.

Biotonnen-Umschlagplatz

Die GEM liefert zudem jährlich rund 23.000 Tonnen Bioabfall in Wanlo an, der aus den braunen Tonnen stammt. Für die Inhalte von Biotonnen ist die offene Kompostierung in Wanlo nicht ausgelegt. Der Biomüll wird daher in einer Halle maximal 24 Stunden zwischengelagert und zu geschlossenen Kompostierungsanlagen in der Nähe transportiert. Dort muss er aufwendig und kostenintensiv von jeder Menge Plastik befreit werden. Es wird händisch, mit Laser-, Röntgen- und Infrarotgeräten sortiert. Statt zwölf Wochen dauert der Vorgang in geschlossenen Kompostierungsanlagen sechs Wochen bis zum fertigen Produkt.

Mini-Kompost im Einmachglas

Im Rahmen der GEM-Umweltbildungsprogramme werden zu den verschiedenen Abfallfraktionen auch immer wieder praktische Beispiele umgesetzt. So können Schüler den Kompostierungsvorgang im Kleinen nachahmen. Beim Projekt „Mini-Kompost“ bilden die jungen Forscher mit Hilfe von Einmachgläsern einen Komposthaufen im Kleinformat nach. Mehr zu diesem Projekt und zum Umweltbildungsprogramm der GEM erfahrt ihr hier

Führung in Wanlo gefällig?

Die Kompostierungsanlage Wanlo kann übrigens besichtigt werden. Wer sich für eine Führung über die Anlage interessiert, der wendet sich gerne an Betriebsleiter Wolfgang Buthe: (Wolfgang.buthe@reterra.de), Tel. 02166 132652

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