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Täglich 200.000 Kilometer für guten Honig

Biene Max

Als Logo begrüßt sie Mitarbeiter und Besucher am Betriebssitz von mags und GEM schon bei der Einfahrt zum Nordpark 400: die fleißige Biene Max. Wenn unsere emsigen Müllwerker und Kollegen der Grün- und Straßenunterhaltung morgens früh ausschwärmen, um Mönchengladbach sauber, sicher und grün zu halten, winkt die Biene ihnen freundschaftlich zu.

Doch auf dem Betriebssitz sind auch echte Honigbienen im Einsatz. An einer abgelegenen Stelle und sicher eingezäunt tummeln sich in 14 Stöcken bis zu 840.000 Bienen im Sommer, 140.000 sind es im Winter.

Herr über die summenden Völker ist Dieter Sternecker. Der ehemalige Verkehrsleiter und Einkäufer für technische Geräte bei der GEM liebt es zu imkern. Seit 2013 pflegt der 64-Jährige dieses Hobby, damals suchte er eine Beschäftigung für seine Zeit nach dem Berufsleben. Als das 2019 endete, hatte er sich schon breit aufgestellt: Neben den 14 Stöcken am Nordpark 400 betreut er 16 weitere an der Graf-Haeseler-Straße und daheim in Wegberg.

Natur in Perfektion: die Bienenwabe mit ihren identischen Zellen, welche die Biene selbst baut.

„Mich fasziniert, wie autark die Bienenvölker sind. Sehen Sie diese Wabe? Ihre Zellen sind alle identisch, die haben die Bienen selbst gebaut, um die Wachsplatte herum, die ich ihnen in den Stock gesetzt habe“, sagt er.

Die Linden im Norpark: eine Bienen-Oase
Die Linden-Allee am Heidgesberg bietet den GEM-Betriebsbienen jede Menge Nahrung.

Für die Bienen gibt es am Nordpark reichlich zu ernten, denn zahlreiche Linden bilden dort ab Juni Millionen Blüten aus. „Auf der Suche nach Nahrung fliegt eine Flugbiene am Tag zehn Kilometer. Das macht bei 20.000 Flugbienen pro Stock täglich 200.000 Kilometer“, erklärt der Imker. Auch die Staudenmischungen der mags suchen die Bienen sehr gerne auf, sie mögen die ursprünglichen Sorten wie Margerite, Kornblume, Klatschmohn.

Welche Bäume, Pflanzen und Felder sie anfliegen, um von dort Honig einzulagern, entscheiden die Bienen selbst. „Wir Imker haben hier nur bedingt Einfluss. Wenn der Honig überwiegend nach Eukalyptus duftet, weiß ich, dass die Bienen Lindenblütenhonig erzeugt haben“, erklärt Dieter Sternecker. Pollen und Nektar anderer Pflanzen – Imker verwenden hierfür den Begriff „Beitrachten“ – wie die mags-Staudenmischungen geben dem Honig eine weitere, besondere Geschmacksnote.

Um Honig als kostbaren Lindenblütenhonig etikettieren zu können, muss der zu mindestens 60 Prozent aus Lindenblüten bestehen. Linden sind sogenannte Massentrachten, auch Bienenweiden genannt, also ergiebige Nahrungsquellen für Bienen, die sie verständlicherweise bevorzugt anfliegen. Da am Nordpark größere Bestände von Linden existieren, ist der Standort für die Betriebsbienen von mags und GEM also ideal.

„In Linden leben viele Blattläuse. Aus deren zuckerhaltigen Ausscheidungen produzieren die Bienen auch Honig, das ist der Honigtau.“

Dieter Sternecker, Imker und ehemaliger GEM-Mitarbeiter

Nur die wertvollsten Sortenhonige bestehen auch aus Honigtau, neben Lindenblütenhonig ist das zum Beispiel Waldhonig.

Bis zu einer Tonne Honig erntet Dieter Sternecker im Jahr von seinen Bienen, bei kühlen und nassen Frühjahren und Sommern sind es etwa 250 Kilogramm. Er verkauft den Honig einmal pro Woche auf dem Wegberger Markt, im Sommer zweimal wöchentlich, das 500-Gramm-Glas Honig zu sechs Euro. Natürlich bleibt immer noch genügend Nahrung für die Bienen übrig. Außer im Winter: „Wenn ich in der kalten Jahreszeit Honig entnehme, muss ich Zuckersirup zufüttern“, so Dieter Sternecker. Honigkauf ist Vertrauenssache: Dieter Sternecker vermarktet nur “Echten Deutschen Honig” im originalen Deutschen Imkerbund Glas. “Echter Deutscher Honig” ist das eingetragene Warenzeichen des Deutschen Imkerbundes (D.I.B).

Mit dem Smoker verteilt der Imker Rauch vor seinen Bienenstöcken.

Angst, gestochen zu werden, hat der Imker nicht. Mit seinem Smoker verteilt er Rauch, bevor er in einen Stock schaut. „Die Bienen meinen dann, es brennt. Schnell füllen sie ihre Honigblase und fliegen fluchtartig weg. Dabei können sie sich wegen der vollen Honigblase nicht mehr krümmen, und das müssen sie, um zuzustechen.

So entsteht Honig

Ab zehn Grad Außentemperatur fliegen die Sammelbienen los, um Nektar, Pollen und Honigtau zu sammeln und in ihren Stock zu bringen. Dort schlucken Arbeiterinnen die Pflanzensäfte, die so in die sogenannte Honigblase in ihren Bäuchen gelangt. Hier werden die Pflanzensäfte mit Stoffen vermischt. Danach geben die Arbeiterinnen die neue Mischung, den Honig, weiter an andere Arbeiterinnen. Das geht eine Weile hin und her, dabei wird dem Honig auch Wasser entzogen. Er wird so immer dickflüssiger. Ist der Honig gereift, legen ihn die Bienen in den Waben ab und verschließen diese mit Wachs. Will der Imker Honig ernten, schleudert er ihn maschinell aus den Waben und füllt ihn dann in Gläser ab.

Von Imkern und Bienenvölkern

Imkern ist eine Wissenschaft für sich. Dieter Sternecker hat einen umfangreichen Kursus belegt, bevor er mit dem Imkern anfing. Im Anschluss lernte er ein Jahr lang die Kunst des Imkerns an der Seite eines erfahrenen Imkers. Heute ist der geprüfte Bienensachverständige Mitglied in zwei Imkervereinen: In Wegberg und in Nettetal, letzterem steht er als zweiter Vorsitzender vor. „Der ständige fachliche Austausch ist wichtig, wir Mitglieder reden einmal im Monat miteinander“, sagt Dieter Sternecker.

Die Lebensumstände der Bienen sei zurzeit gut, weil weniger Pestizide gespritzt werden als noch vor einigen Jahren, so Dieter Sternecker: „Sorge bereitet mir die wachsende Anzahl von Menschen, die wahllos und ohne Hintergrundwissen plötzlich imkern.“ Denn mit dem gelegentlichen Pflegen der Völker ist es nicht getan:

„Wir müssen die Tiere nach der Ernte auch behandeln können. Der Befall mit der Varroamilbe, ein vor 30 Jahren aus Asien eingeschleppter Parasit, ist eine Krankheit, die unbedingt behandelt werden muss. Und bei der Faulbrut, einem aus den USA eingeschleppten Bakterium, fault die ganze Brut weg, wenn man nicht zeitnah etwas dagegen unternimmt.“

Dieter Sternecker, Imker

Etwa sechs Wochen werden Honigbienen im Sommer nur alt, im Winter können es bis zu sechs Monate sein. Die Königin, die außer Eier zulegen keine weiteren Aufgaben hat, wird zwischen drei und fünf Jahre alt. Gleichermaßen fokussiert läuft das Leben der männlichen Bienen, den Drohnen ab: Sie kümmern sich lediglich um die Begattung der Königinnen.

Was alle anderen weiblichen Bienen in ihrer kurzen Lebenszeit leisten, ist bemerkenswert. Sie sind eben halt fleißige Bienchen. Gerade erst geschlüpft, reinigt die junge Biene erst sich selbst und dann den Bienenstock. In den nächsten zwei Wochen versorgt sie den Nachwuchs und die Bienenkönigin mit Nahrung, verarbeitet den von Sammelbienen gebrachten Nektar zu Honig, repariert und baut Waben neu. Mit etwa drei Wochen verteidigt die Biene ihren Stock und wagt erste Flugversuche. Den Rest ihres Lebens verbringt die Biene als Sammlerin: Alles, was sie und ihr Volk benötigen – Nektar, Pollen und Wasser als Nahrung sowie Baumharze zum Abdichten des Bienenstocks – wird fleißig herangeflogen.

http://wegberg.honigfahrrad.de

Fotos: Silvana Brangenberg

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